Die Richtlinie legt erstmals auf EU-Ebene fest, anhand welcher Kriterien Arbeit als gleichwertig gilt. Damit rückt die analytische Stellenbewertung in den Mittelpunkt.
Die Richtlinie (EU) 2023/970, kurz EU-Entgelttransparenzrichtlinie, wurde am 10. Mai 2023 angenommen, gilt seit dem 6. Juni 2023 und war von allen 27 Mitgliedstaaten bis zum 7. Juni 2026 umzusetzen. Sie legt erstmals auf EU-Ebene fest, anhand welcher Kriterien sich entscheiden lässt, ob zwei Tätigkeiten gleichwertig sind.
Zentral ist Artikel 4. Die Mitgliedstaaten müssen sicherstellen, dass Arbeitgeber über Entgeltstrukturen auf Grundlage objektiver, geschlechtsneutraler Kriterien verfügen, und analytische Instrumente oder Methoden für geschlechtsneutrale Systeme der Stellenbewertung und -einstufung bereitstellen. Auf EU-Ebene gibt es dazu seit März 2026 das Toolkit des Europäischen Instituts für Gleichstellungsfragen (EIGE) mit einem Faktoren- und Teilfaktorenplan und drei Excel-Werkzeugen. Artikel 4 Absatz 4 nennt die anzuwendenden Kriterien: Kompetenzen, Belastung, Verantwortung und Arbeitsbedingungen. Zu den Kompetenzen zählen ausdrücklich soziale Kompetenzen, die nicht unterbewertet werden dürfen. Das sind die klassischen Anforderungsfaktoren der analytischen Stellenbewertung.
Hinzu kommen die Transparenzpflichten: Angaben zum Einstiegsentgelt oder zur Entgeltspanne vor dem Vorstellungsgespräch, das Verbot, nach dem bisherigen Gehalt zu fragen, Auskunftsrechte der Beschäftigten zu den Entgeltniveaus ihrer Gruppe und gestaffelte Berichte zum geschlechtsspezifischen Entgeltgefälle. Ergibt der Bericht in einer Gruppe ein nicht gerechtfertigtes Gefälle von mindestens 5 %, kann das eine gemeinsame Entgeltbewertung mit den Arbeitnehmervertretungen auslösen.
Die Richtlinie nennt keine bestimmte Methode. Dennoch setzt jede ihrer Pflichten voraus, dass Stellen analytisch gruppiert wurden: Entgeltberichte werden nach Beschäftigtengruppen mit gleicher oder gleichwertiger Arbeit berechnet, gemeinsame Entgeltbewertungen vergleichen diese Gruppen, und Auskunftsrechte beziehen sich auf sie. Wer nicht zeigen kann, wie die Gruppen entstanden sind, nach welchen Kriterien, mit welcher Gewichtung und durch wen, hat ein Problem. Das gilt auch für die verschärfte Beweislast: Hat ein Arbeitgeber seine Transparenzpflichten nicht erfüllt, muss er im Streitfall beweisen, dass keine Diskriminierung vorliegt.
Zur Jahresmitte 2026 war das Bild uneinheitlich. Nur wenige Mitgliedstaaten, darunter die Slowakei, Litauen, Malta und Italien, hielten die Frist ein. Schweden kündigte an, vorerst keinen Umsetzungsentwurf vorzulegen. Andere Staaten waren in Verzug oder hatten keinen Entwurf veröffentlicht. Deutschland hat die Frist ebenfalls verpasst, und nach unserem Kenntnisstand vom November 2026 liegt noch kein veröffentlichter Referentenentwurf vor. Details zur Lage in Deutschland finden Sie auf unserer Seite zum Entgelttransparenzgesetz.
Eine verspätete Umsetzung ist kein Aufschub für die Vorbereitung. Die Kommission kann Vertragsverletzungsverfahren einleiten, Gerichte legen nationales Recht im Licht der Richtlinie aus, und Unternehmen mit Standorten in mehreren Mitgliedstaaten müssen sich ohnehin auf ihre Inhalte einstellen.
Im Kern verlangt die Richtlinie eine belastbare Stellenarchitektur:
Im März 2026 zur Unterstützung von Artikel 4 veröffentlicht, mit Schritt-für-Schritt-Leitfaden, Faktorenplan, drei Excel-Werkzeugen nach Unternehmensgröße und Word-Vorlagen (Inhalte auf Englisch).
Die vier Kriterien der Richtlinie (Kompetenzen einschließlich sozialer Kompetenzen, Belastung, Verantwortung, Arbeitsbedingungen), aufgeschlüsselt in Teilfaktoren.
Abgestufter Faktorvergleich.
Paarvergleich.
Das vollständige Punktbewertungsverfahren für größere Arbeitgeber.
Der Sache nach ja. Artikel 4 verlangt Entgeltstrukturen auf Grundlage objektiver, geschlechtsneutraler Kriterien und nennt Kompetenzen, Belastung, Verantwortung und Arbeitsbedingungen. Die Mitgliedstaaten müssen analytische Instrumente oder Methoden bereitstellen, mit denen Arbeitgeber geschlechtsneutrale Systeme der Stellenbewertung und -einstufung aufbauen können. Ein bestimmtes Produkt oder Punktesystem schreibt die Richtlinie nicht vor.
Die Richtlinie (EU) 2023/970 wurde am 10. Mai 2023 angenommen und trat am 6. Juni 2023 in Kraft. Die Mitgliedstaaten hatten bis zum 7. Juni 2026 Zeit, sie in nationales Recht umzusetzen. Die meisten haben die Frist verpasst. Die Pflichten kommen über die nationale Umsetzung trotzdem, und die Kommission kann Vertragsverletzungsverfahren einleiten.
Arbeit, die vergleichbar ist, wenn sie nach objektiven, geschlechtsneutralen Kriterien bewertet wird. Dazu gehören Kompetenzen (ausdrücklich auch soziale Kompetenzen), Belastung, Verantwortung und Arbeitsbedingungen. Berichte zum Entgeltgefälle und gemeinsame Entgeltbewertungen orientieren sich an Beschäftigtengruppen mit gleicher oder gleichwertiger Arbeit. Diese Gruppen müssen also zuvor analytisch gebildet worden sein.
Die Vorgaben zu Entgeltstrukturen und Auskunftsrechten gelten für alle Arbeitgeber in der EU. Die Berichtspflicht zum Entgeltgefälle wird nach Größe gestaffelt eingeführt und beginnt bei größeren Arbeitgebern, die ersten Berichte sind in den meisten Mitgliedstaaten bis Juni 2027 fällig. Sie reicht bis zu Arbeitgebern ab 100 Beschäftigten. Ein gemeldetes Gefälle von mindestens 5 % in einer Gruppe, das sich nicht rechtfertigen lässt, kann eine gemeinsame Entgeltbewertung mit den Arbeitnehmervertretungen auslösen.
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ist keine Rechtsberatung. Prüfen Sie rechtliche Fragen mit qualifizierter Beratung und anhand der Primärquellen. Mehr dazu, wie PointFactors helfen kann, finden Sie unter Software für Entgelttransparenz.
Bewerten Sie Stellen mit einer strukturierten Punktbewertung und dokumentieren Sie jede Entscheidung.